Lotse

vielen Dank, Anne, für die Zusendung der Bilder von Lotse und den vielen Informationen!

Name: Lotse Geschlecht: M Lebensnummer: 610023060 geboren: 1960
Farbe: Fuchs Größe: 161 cm Zuchtgebiet: Hannover
Lotse
Hannover
1960
Chestnut
610023060
Lugano I
Hannover
1954
Chestnut
310396354
Der Löwe xx
Thoroughbred
1944
Dark Brown
Wahnfried xx
Thoroughbred
Flamboyant xx
Winnica xx
Lehnsherrin xx
Thoroughbred
Fervor xx
Lapis Electric xx
Altwunder
Hannover
1950
Chestnut
Albaner
Hannover
Allweiser III
Feine
Friesentreue
Hannover
Friesenkönig
Dobe St.Pr
Dünenflora St.Pr
Hannover
1953
Brown
315939653
Dwinger
Hannover
1938
Chestnut
Detektiv
Hannover
Desmond
Kalabaka
Flintje
Hannover
Flint
Dakiza
Negerfräulein
Hannover
1937
Brown
Neringo I
Hannover
Nenner
Fikonda
Stute v. Nagel
Hannover
Nagel
Calkiva

Lotse
Der Vererber-Star in Hessen (Hannover/Hessen)

Der erfolgreichste hessische Landbeschäler der Nachkriegszeit kam aus Hannover. Lotse war der erste gekörte Sohn des Celler Landbeschälers Lugano I. Er wurde 1962 in Verden gekört und war ursprünglich für Celler Dienste vorgesehen. Aber Dr. Armin Holzrichter konnte sich den Fuchs für Dillenburg sichern.
Als Landstallmeister von Dillenburg suchte Holzrichter nach einem modernen Hengst, der den Leistungsanforderungen des Sports züchterisch gerecht werden konnte. Hessen befand sich zu dem Zeitpunkt in der Umzüchtungsphase vom schweren Warmblüter zum gängigen Reitpferd. Niemand konnte damals ahnen, daß Holzrichter mit diesem Fuchs den späteren Linienbegründer der hessischen Reitpferdezucht importierte.

Lotse war ein nobler Hengst mit gut angesetzem Reithalt und langer schräger Schulter. Durch den etwas hoch angesetzten Schweif hätte seine Kruppe abfallender sein können, seine Hinterhand jedoch war gut gewinkelt - der Motor war da.

Lotse war von Anfang an beliebt bei den Züchtern zwischen Darmstadt und Kassel. Durch seine imponierende Erscheinung mit viel Hengstausdruck konnte er sich über mangelnden Damenbesuch nicht  beklagen. Heute hätte er sicherlich mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Mit einem Stockmaß von 161 Zentimetern hätte er den heutigen Züchter-Wünschen nur knapp entsprochen. Glücklicherweise war das Anfang der sechziger Jahre noch anders.

Lotse verbesserte vor allem Typ, Ausdruck und Gangmanier der Hessen-Stuten, die vorwiegend auf Oldenburger Grundlagen gezogen waren. Seine eigenen Leistungsveranlagungen setzte er gegenüber allen Stuten durch.
Lotse war als Reit- und Schulpferd selbst in der Lage, mittelschwere Anforderungen in Dressur- und Springübungen mit Gehorsam zu erfüllen. In seinen 15 Dienstjahren als Dillenburger Landbeschäler hinterliess Lotse über 250 eingetragene Turnierpferde. 1982 stand er nach der Jahresgewinnsumme seiner Nachkommen an neunter Stelle von 347 Hengsten. Die Hessische Zucht ist mit Jahrbuch-Zahlen nicht so verwöhnt wie etwa Hannover oder Westfalen. Das Zuchtgebiet ist kleiner, die Anzahl der eingetragenen Stuten geringer. Deshalb muß man die Erfolge der Lotse-Nachkommen, seine gekörten Söhne und die Anzahl seiner eingetragenen Stuten in Relation sehen zu anderen hessischen Hengsten. Und unter diesem Gesichtspunkt hat Lotse für Hessen Bedeutendes geleistet.

Protokoll:
Lotse
geboren 1960 in Niedersachsen
Lebens-Nr. 610023060
Züchter: Walter Wichert, Nesse, Kr. Wesermünde
Farbe: Fuchs
Abzeichen: Bl., Utl., w., r. Vf.w., bd. Hf. Hochw.

Hengstleistungsprüfung: 1963 in Dillenburg
Maße: 161/191/22,5
Gekört) 1962 in Verden

Berühmte Nachkommen:
Gekörte Söhne: Logos, Lord, Loriot, Luchino
Töchter: 188 eingetragene Stuten
Staatsprämienstuten: 22
Hauptbuchstuten: 143, davon 22 DLG-Ausstellungsstuten
1982 waren 87-Lotse-Nachkommen im Sport, davon gewannen 14 Pferde mehr als 1.000 Mark.
Nachkommen-Gewinnsumme 1982: 273.700,00 DM

Für ganze 7.500 DM erwarb die hessische Auswahlkommission im Herbst 1962 den bedeutendsten Vererber der Hessenzucht auf dem Verdener Hengstmarkt. Mit 157 cm Körpergröße zwar eher knapprahmig nahm er seine Betrachter sofort durch seinen hochelastischen Bewegungsablauf gefangen und stach so deutlich aus den 65 Hengsten, die zur Körung anstanden, heraus. Der sollte es also sein! Großes Gangpotential war den Nachkommen des Lugano I schon immer eigen, so auch Lotse. Nach dem Ankauf wurden die Hessen dann doch etwas verunsichert, denn Der Löwe xx und seine Nachkommen waren damals ziemlich verschrien, zudem hatte Lotse viel Weiß im Augapfel. Doch die ursprüngliche Absicht der Hessen, auf dem Verdener Hengstmarkt 1962 mit möglichst wenig Geld und größtmöglicher Passion die Umstellung der hessischen Warmblutzucht vom Karossier zum modernen Warmblüter einzuleiten, ist letztlich durch Lotse voll gelungen. Im nächsten Jahr setzten sie sogar noch einen drauf und erwarben den braunen Vollbruder Lützow. Dieser vererbte mehr den Typ des Muttervaters Dwinger, war größer und kompakter und kam nicht ganz an die besondere Ausstrahlung seines Bruders Lotse heran. Dennoch war auch Lützow für die Hessenzucht ein wichtiger und überaus nützlicher Vererber.

Lotse hat das "Weiß" im Auge vielen Nachkommen mitgegeben, aber es hatte nichts mit Verschlagenheit zu tun, wie anfangs fälschlicherweise angenommen wurde. Selbst ein sicheres, leicht lernendes Dressurpferd, vererbte er diese Anlage auch vielfach. Zum Glück vererbte er recht selten seinen knappen Rahmen (ausgewachsen 162 Zentimeter). Insgesamt wurden Lotse 1152 Stuten zugeführt. Bei guter Befruchtung lieferte er der hessischen Reiterei und Zucht eine Vielzahl typvoller, leichtrittiger Nachkommen. Jahrelang stand er an der Spitze aller Hengste in Hessen. Besonders bekannt wurden Lorbas mit Wilhelm Bettinger, der später für Kanada am Weltcupfinale der Springreiter teilnahm, und Heike Kemmers Spitzenpferd Lotus 27, der übrigens das hannoversche Brandzeichen trug. Viele seiner Töchter wurden Hengstmütter; im Mannesstamm konnte Lotse sich jedoch trotz aller bekannten Qualitäten nicht halten. Sein bedeutendster Sohn war der aus einem westfälischen Stamm gezogene Fuchs Lord, der einer der bedeutendsten Vererber mit dem Hessenbrand wurde. Er war DLG-Hengst und lieferte sowohl Dressur- als auch Springpferde höchster Klasse. Seine rechte Schwester, die Schimmelstute Angela, war eine der renommiertesten hessischen Ausstellungsstuten ihrer Zeit. Der Rappe Logos war ein geschätzter und auf DLG-Ausstellungen für Hessen erfolgreicher Vererber. Loriot war etwas stramm in der Niere und hat trotz einiger Chancen nur wenig Einfluss gewonnen. Er deckte im Alter noch als Privathengst in Hannover. Luchino blieb bedeutungslos.

Es ist bedauerlich, dass nicht noch mehr der im besten Sportpferdetyp stehenden Lotse-Söhne als Beschäler in die hessische Zucht gelangten.

Quelle: horse-gate.com