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Die Geschichte der hessischen Pferdezucht

Das 1870 erbaute hessische Landgestüt in Dillenburg bietet in seinen historischen Mauern auch Platz für eine Landes-Reit- und Fahrschule. Heute werden dort moderne Reitpferde meist auf Hannoveraner und Trakehner Grundlage gezüchtet.

Auf Grund seiner kleinbäuerlichen Struktur war Hessen zu keiner Zeit für die Pferdezucht prädestiniert. Trotzdem liegt Hessen mit fast 4000 eingetragenen Zucbtstuten an vierter Stelle im Bundesgebiet. Auch qualitativ kann das Deutsche Reitpferd aus Hessen den Vergleich mit den anderen Zuchtgebieten aufnehmen.

Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts war Hessen schwerpunktmäßig ein Kaltblutzuchtgebiet, später dann in der Warmblutzucht hauptsächlich basierend auf Oldenburger Grundlage. Dementsprechend groß waren auch die Schwierigkeiten beim Umzüchtungsprozeß, in welchem Hessen auf Vollblüter und Trakehner zurückgriff. Einen wesentlichen Beitrag leistete hierzu, wie selbstverständlich auch heute noch, das 1870 gegründete Landgestüt Dillenburg.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch das preußische Hauptgestüt Beberbeck, das einen großen Anteil der Dillenburger Hengste stellte, bis es zwischen den beiden Weltkriegen aufgelöst wurde.

Das Landgestüt in Darmstadt, 1821 für das Gebiet des damaligen Großherzogtums Hessen-Darmstadt angelegt, verfügte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich über Hengste der Wirtschaftsrassen. Ende der 50er Jahre war die Zahl der Pferde so gering geworden (in Hessen ein Rückgang um 80 Prozent) und dementsprechend die Bedeckungen so gefallen, daß das Landgestüt 1958 aufgelöst und der Restbestand seiner Beschäler nach Dillenburg gegeben wurde.

Landgestüt Dillenburg
Das nun für ganz Hessen zuständige Landgestüt in Dillenburg war 1870 nach Zusammenlegung mehrerer kleiner staatlicher Hengstdepots in der ehemaligen Residenzstadt der Oranier gegründet worden. Die hessische Bodenformation sowie die Agrarstruktur brachten es mit sich, daß im Gegensatz zu den nordwestdeutschen Ländern erst an eine landesweite Sportpferdezucht gedacht werden konnte, als Ende der 50er Jahre allmählich klar wurde, daß das Pferd als Zugkraft endgültig ausgespielt hatte. Für das hessische Landgestüt war diese Situation besonders problematisch. Die Privathengsthaltung war angesichts des rapiden Pferderückgangs so gut wie verschwunden und das Landgestüt praktisch der einzige Hengsthalter im Lande. Mit der vorhandenen Kollektion von Oldenburgern, Ostfriesen und hessischen Hengsten auf dieser Grundlage war der Züchterschaft nicht mehr gedient.

Im Jahre 1960 z. B. standen in Dillenburg 76 Landbeschäler für die Warmblutzucht, von denen nur der Vollblüter
Admiral xx
und die beiden Trakehner
Kosmos und Lohgerber
nicht den Wirtschaftsschlägen angehörten.

Erst nach 1962, als die Leitung an den Landstallmeister Holzrichter übergegangen war, gelang es dem Landgestüt nach vielem zähen Ringen mit dem Landwirtschaftsministerium, den Hengstbestand in Richtung der Sportpferdeerzeugung allmählich umzustellen.

Viele Züchter schafften sich in den folgenden Jahrzehnten Zuchtstuten und Fohlen aus dem benachbarten Westfalen und Hannover an. So stammten z. B. im Jahre 1967 bereits 870 Prozent der erzeugten Fohlen von Veredlerrassen ab. 1972 gehörten 48 Prozent der hessischen Landbeschäler Veredlerrassen vornehmlich Trakehner Blutes an.

Unter den Landbeschälern der ersten Umstellungsperiode waren einige, die sich durch positive Vererbung in Richtung Sportpferd einen guten Namen gemacht haben:

die Hannoveraner
Lotse v. Lugano I
Lützow v. Lugano I
Senior v. Senator

der Westfale
Ratsherr v. Radetzky

die Trakehner
Thor
Mandant

sowie die Vollblüter
Adonis xx v. Magnat
Usurpator xx v. Orator.

Ende der 70er Jahre war auch der letzte Warmbluthengst alter Art aus dem Landgestüt ausrangiert. Die Gestütleitung hat sich im Verein mit dem hessischen Zuchtverband auf die züchterische Linie mit der Basis des hannoversch-westfälischen Blutes und dosierter Beigabe von Vollblut und Trakehnern festgelegt.

Die Beschäler des Landgestüts werden seit etwa 15 Jahren in der Hengstprüfungsanstalt Westercelle bzw. Adelheidsdorf in einem 100Tage-Test nach ihrer ersten Deckzeit gemeinsam mit einer größeren Anzahl Junghengste anderer Zuchtgebiete trainiert und geprüft. Die Prüfungsanforderungen haben in den letzten zehn Jahren den Wandel vom kombinierten Reit- und Zugpferd zum Nur-Reitpferd mitgemacht und sind unter dem Abschnitt »Landgestüt Celle« nachzulesen.

Ebenso wie in Warendorf gehört seit den Zeiten des reitsportversierten Landstallmeisters Dr. Dencker in Dillenburg eine Reit- und Fahrschule zum Gestütsbetrieb, welche in eindrucksvoller Weise bezeugt, daß Zucht und Reiterei voneinander abhängig sind. Daß auch ein Teil der Gestütsbeamten in der Umgebung ihrer jeweiligen Deckstationen Reitunterricht erteilt, basiert auf der gleichen Idee und sei auch für die Warendorfer und Celler Kollegen mit vermerkt

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