Bessy, ein Norweger-Isländer Mix
Divas Lebensabschnittsgefährtin 1993 - 1994

Rosenmontag 1993 sollte es soweit sein: Rusty mußte abgesetzt werden. In der Zeit hielt ich Diva mit ihrem Sohn Rusty in Eigenregie bei uns in Bessenich. Damit Diva nicht nur mit den beiden Shetties vom Bauern vorlieb nehmen mußte, hatte ich beschlossen, mir ein Beistellpony zu besorgen.
Bessy habe ich aus ganz schlechter Haltung in einem Pferdeverleih geholt. Dort sah sie allerdings noch ganz gut aus, ich hab sie probegeritten, sowohl in der Halle als auch im Gelände. Eine Ankaufsuntersuchung kam für mich finanziell nicht in Frage, meiner Meinung nach war der allgemeine Gesundheitszustand gut.
Nach ca. vier Wochen wurde sie mir 'geliefert' weil ich weder Hänger noch Zugfahrzeug hatte. Ich erschrak, als sie aus dem Hänger kam: bis auf die Rippen abgemagert, Mähne und Schweif verfilzt und dreckig und total wackelig auf den Beinen. Direkt am nächsten Tag habe ich von der Huforthopädin Sandra Louis die Eisen entfernen lassen und sie stellte folgende Diagnose: vorne chronische Hufruhe mit starker Hufbeinsenkung und hinten einen akuten Hufreheschub (nicht den ersten allerdings). Die ehemaligen Besitzer haben natürlich lautstark bestritten, daß mit dem Pony "irgendwas" nicht in Ordnung gewesen wäre... typisch, ich habe auch nichts anderes von solchen Leuten erwatet!!

So sah Bessy ein paar Wochen nach ihrer Ankunft bei mir aus.. 
deutlich sieht man die Satteldruck-Stellen, die Rippen und die spitze Kruppe.

Hier ein Bild von Bessy, nachdem sie einige Zeit bei mir war
und ich sie - so gut es ging mit ihrer Hufrehe - gepäppelt hab:

Das Problem war die akute Hufrehe. Sie durfte ja kein Eiweiß haben, mußte dadurch mit Maulkorb auf die Weide. Wie soll man da ein Pferd dick kriegen? Rübenschnitzel waren tabu, ebenso alles Körnerfutter. Aber mit der Zeit wurd es immer besser. Sie bekam abends Stroh dazugefüttert und Mineralfutter. Nach und nach konnte ich den Maulkorb stundenweise abnehmen und sie an das Gras gewöhnen, allerdings waren die Weiden eh schon ein wenig abgefressen im Herbst.

Sandra kam fast wöchentlich die Hufe nachschneiden und die Zehe kürzen. So hat sie sogar die Hufbeinsenkung nach knapp einem Jahr in den Griff bekommen. Bessys Hufe sollten täglich gewässert werden, leider war kein Fluß in der Nähe, so dass Bessy mit unserer Garageneinfahrt vorlieb nehmen mußte <g>. Bessy konnte wieder geritten werden, aber eine gewisse Vorsicht bei Eiweiß war immer noch gegeben.

Nachdem ich beruflich sehr eingespannt war, hatte ich nicht mehr die Zeit, Diva und Bessy in Eigenregie zu versorgen. So gab ich sie zu Sandra und Jutta in Weidehaltung, wie man allerdings sieht, ist die Weide recht mager. Das kam Bessy sehr mit ihrem Hang zur Hufrehe sehr zugute.

So sieht ein glückliches Pony aus!

Bessy mit Diva auf der Weide.. sie geniessen die Abendsonne

Bessy war schwer zu handeln, nicht nur beim reiten. Einfangen wurde zu einem immer größeren Problem, dabei war es nicht die Angst, die sie weglaufen liess. Erst haben wir versucht, sie von einem anderen Pferd aus einzufangen. Das hat zweimal geklappt und dann war Ende - klar, das Pony ist ja nicht dumm. Danach ist sie eine Zeitlang mit einem 5 Meter langen Strick auf der Weide rumgelaufen, mit dem man sie dann 'ranholen' konnte. Auch das hat sie natürlich kapiert und rannte dann direkt weg, sobald ich die Weide betreten hab. Zum Schluß wurde es so schlimm, daß sie rückwärt auf mich zukam und ausgetreten hat oder auch mit angelegten Ohren und gebleckten Zähnen auf mich zugestürmt kam und auch zugebissen hat. Da ich zu der Zeit in starken finanziellen Schwierigkeiten war und auch nach Köln ziehen mußte, habe ich beschlossen, Bessy zu verkaufen. Es hat einfach nicht 'gepasst' zwischen uns, denn bei anderen Menschen war sie weitaus nicht so dominant. Ich frage mich nur, warum dieses am Anfang so 'nette' Pony so ausfallend mir gegenüber geworden ist <schniefz>

Das war das Bild in der Verkaufsanzeige.

Einige Zeit später gab es dann einen kleinen Weideunfall, aber nicht wie man glauben würde: "Hengst aus Weide ausgebrochen". Nein, nein, mein kleines Biest Bessy ist aus der Weide ausgebrochen, als sie rossig war und ist zum benachbarten Hengst Yannick gelaufen - durch zwei Stromzäune hindurch! Dort haben die Beiden sich ausgiebig vergnügt - auf meine Kosten <grummel>


Links ist Yannick zu sehen, der Vater von Lady

Bessy habe ich dann verkauft, als sie noch tragend war. Nachdem das Fohlen auf der Welt war, habe ich sie mal besucht. Sie stand mit ihrem Baby ganz alleine auf einer viel zu fetten Weide, die auch noch mit Stacheldraht eingezäunt war. :-( Und Hufeisen hatte sie auch noch dazu... trotzdem vertraglich festgelegt war, daß keine Hufeisen angebracht werden dürfen. Ja, ich weiß - das ist nutzlos, aber trotzdem: warum hat die neue Besitzerin das gemacht? Wer weiß, was passiert, wenn Bessy mal nach einer Fliege tritt und das Fohlen dabei aus Versehen trifft. Aua, aua!! Bessy hatte wunderbare, feste, gesunde Hufe beim Verkauf - wofür brauchte sie Hufeisen?? Menschen sind manchmal schlimm...

Am 5. Juni 1994 (witzigerweise genau an meinem Geburtstag <g>) wurde Lady geboren

Lady hätte ich am liebsten mitgenommen, so ein hübsches kompaktes Pferdchen..
und dann noch diese schöne Farbe! *schwärm*

Leider hat die neue Besitzerin Bessy beschlagen lassen und wie man auf den Bildern sieht, ist sie auch viel zu FETT. Armes Ponychen :-( Seit 1994 habe ich leider keinen Kontakt mehr.